APA0471 5 II 0536 XI Siehe APA0361/15.11 Do, 15.Nov 2007
Schulen/Reform
Schulreform: Neue überparteiliche Plattform "BildungGrenzenlos"
Utl.: Fordert über Parteigrenzen hinweg Bildungsreformen ein -
"Vernunft als Grundlage von Bildungsreformen" =
Wien (APA) - Zur "Belebung und Versachlichung des bildungspolitischen Diskurses" hat sich die neue überparteiliche Initiative "BildungsGrenzenlos" gebildet. "Die große Tragödie des österreichischen Schulsystems ist das enge, parteipolitische Korsett, das jede Reform im Keim erstickt", erklärte Heidi Schrodt, Direktorin der AHS Rahlgasse in Wien, am Donnerstag bei einer Pressekonferenz. Dabei sollten "Vernunft und nicht ideologische Grabenkämpfe Grundlage von Bildungsreformen sein".
Die von Privatpersonen gebildete Initiative hat sich zum Ziel gesetzt, das öffentliche Bewusstsein für die Notwendigkeit und Realisierbarkeit von Innovationen und Reformen im Bildungswesen zu verstärken. "Über alle Parteigrenzen hinweg wollen wir Bildungsreformen einfordern", sagte Schrodt, die auch Mitglied der vom Unterrichtsministerium eingesetzten Expertenkommission zur Schulreform ist. Unterstützer der Plattform kommen nicht nur aus dem Bereich Bildung, sondern auch aus Wissenschaft, Kunst und Politik, darunter prominente Namen wie Max Friedrich, Herbert Krejci, Ferdinand Lacina, Bernd Marin, Robert Menasse, Helga Nowotny, Anton Pelinka, Heide Schmidt, Rudolf Scholten, Peter Turrini oder Ruth Wodak.
Angestrebt werde ein Schule, "die kein Kind zurück lässt", jedem Schüler bestmögliche Entfaltungsmöglichkeiten biete und den sozialen Zusammenhalt fördere. Das beziehe sich nicht nur auf die derzeit diskutierte gemeinsame Schule der Zehn- bis 14-Jährigen. Die Zeit sei reif dafür, "das Lagerdenken ist ein Anachronismus", auch wenn dieses, wie sich bei der aktuellen Schulreformdiskussion gezeigt habe, noch Blüten treibe, sagte Schrodt.
Christa Könne, Koordinatorin der PISA-Science-Gruppe in Österreich und ehemalige AHS-Direktorin, findet bisherige Veränderungsprozesse im Schulwesen "so kleinkariert". Es würden Teilbereiche reformiert, ohne über die Auswirkungen auf das Gesamtsystem etwas zu wissen. Das erzeuge viel Unruhe und demotiviere. Gleichzeitig ändere sich vieles sehr diffus, "Schule ändert sich, ob sie will oder nicht". Grund dafür seien u.a. die zunehmende Pluralität in der Gesellschaft, wobei Schule "prinzipiell keinen Umgang mit Unterschiedlichkeit" entwickelt habe, oder Veränderungen in der Arbeitswelt, so Könne, die im Zusammenhang mit der Schulreform auch die "Gruppe der pragmatisierten Apokalyptiker" kritisierte.
Christian Holzmann, Lehrer an zwei Wiener AHS, hat Verständnis dafür, dass viele Lehrer Veränderungen behutsam wollen. Doch wenn man wie bei der derzeitigen Schulreform "so behutsam vorgeht, dass man nur ein bisschen behübscht, wird das scheitern". Dazu komme noch eine gewisse "Ungeschicklichkeit" bei der Umsetzung, selbst "Veränderungswillige sagen, wir hätten gerne gewusst, in welche Richtung es gehen wird". Als eines der größten Probleme ortet Holzmann den "Abschiebegedanken" im Schulsystem, also dass Kinder von der AHS in die Hauptschule und von dort in die Sonderschule abgeschoben werden. "Wenn der wegfällt, muss sich etwas ändern, dann muss ich auf Kinder anders reagieren."
Die ehemalige Chefin des Liberalen Forums Heide Schmidt will mit der Initiative jenen Lehrern, die immer schon engagiert waren, den Rücken stärken und damit auch andere motivieren, Eltern "die Scheu nehmen, wenn es um das eigene Kind geht, nur ja kein Risiko einzugehen" und Kindern und Jugendlichen jenen Stellenwert zuordnen, dass ihre Lebensinteressen im Mittelpunkt des Engagements stehen.
Als erste Veranstaltung plant die Plattform am 23. Jänner 2008 die österreichische Erstaufführung des Films "Kinder!" des deutschen Journalisten und Filmemachers Reinhard Kahl, der im Anschluss an den Film ein Referat zum Thema "Wie Kinder lernen (können)" hält.
(S E R V I C E - Internet: http://www.bildunggrenzenlos.at ; Veranstaltung und Filmvorführung "Wie Kinder lernen (können), 23. Jänner, 2008, 17.00 Uhr, Hauptbücherei, 7., Urban-Loritz-Platz 2a)
(Schluss) cm/aku/dru
APA0471 2007-11-15/13:55
151355 Nov 07
"Kurier" vom 19.11.2007 Seite: 20
Ressort: KiKu
Wi, Abend, Wi, Morgen
"Graue Zellen" sind grenzenlos
Initiative - Mehr Kinder sollen mehr Bildung bekommen können
"Eine Schule, die kein einziges Kind zurücklässt" - das ist auch das Ziel einer neuen Initiative im Bildungsbereich "Bildung grenzenlos".
Um dem Ziel ein paar Schritte näherzukommen, wollen die Aktivisten - zum Teil Lehrer und auch Direktoren - vor allem die Debatte versachlichen und auf eine Ebene jenseits aller festgefahrenen ideologischen Grabenkämpfe bringen.
Und man gibt sich nicht mit Mittelmaß zufrieden. Dafür bilde das heimische Schulwesen gut aus. Sowohl Stärkere als auch Schwächere aber würden zu wenig gefordert beziehungsweise gefördert.
Grundlegende Reformen seien unerlässlich, weil sich in der Gesellschaft sehr viel verändert habe: Vn der Pluralität über Entfremdung einzelner Gruppen bis hin zu der Erkentnis, dass Wissen teils schneller veralte, als Lehrende es lernen können, um es Schülern zu vermitteln.
www. bildunggrenzenlos.at
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